Supersirup aus der Hauptstadt


Mit Sirup ist es ein bisschen wie mit Märchenkassetten: In der Kindheit kommt er täglich auf den Tisch bzw. in die Gehörgänge, bloss um irgendwann abgelöst zu werden durch Cola, Bier und Wodka Orange bzw. Justin Bieber, Rihanna und dergleichen. Über den Horizont und schwupps! – weggekippt in den Orbit des Vergessens. Kommen die eigenen Kinder auf die Welt, wird das Totgeglaubte plötzlich wieder aktuell – und man begrüsst die Wiederentdeckung augenreibend. Denn im Fall von Sirup hat das einst überschaubare Sortiment künstlich hergestellter Fruchtzuckersäfte mit Grenadine-, Himbeer- und Zitronenaroma eine Frischzellenkur sondergleichen durchgemacht. Selbst im Grossverteiler stehen heute aussergewöhnliche Aromen wie Sauerkirsche, Goldmelisse oder Quitten-Orange. Im Vergleich zum Angebot des Sirupier de Berne ist das aber nur ein Klacks!
38 Sorten stellt der Unternehmer mit Hilfe von zwei Angestellten her und er wird nicht müde, sich immer mal wieder an ein neues Aroma zu wagen. Topseller aus seinem Angebot sind Holunderblüten und die Eigenkreation „Besser aus Ystee“, die ihrem Namen übrigens durchaus gerecht wird. Von den beliebtesten Sorten verlassen jährlich ca. 10‘000 Liter die Produktionsstätte im Berner Breitenrainquartier; mindestens einmal monatlich muss in der Siruperie mit zwei grossen 100 Liter-Töpfen für Nachschub gesorgt werden. Wirth, der nach beruflichen Zwischenstopps als Spengler, Damenschneider und Lehrer nun seine Berufung in den Fussstapfen des Vaters gefunden hat – Matthias Wirth senior begründete den Familienbetrieb 1980 mit einem Stand am Wochenmärit – vertraut auf die Aromen der Natur: „Den vollen Geschmack von Obst, Blumen, Gewürzen und Kräutern mit Zucker haltbar zu machen – das ist das Credo über meinem ganzen Tun“, erklärt er mit funkelnden Augen. Mit seinen zwei Mannen presst er hunderte Kilo frischer Früchte zu Saft, steht tagelang zwischen Holunderbäumen, um die schweren Blütenstände zu ernten oder schneidet nach den Festtagen die Triebe einer grossen Berner Weihnachtstanne ab, bis nur noch das Skelett des Baumes übrigbleibt. „Da ist nichts Künstliches dabei, das ist beste Qualität aus der Region und echte Handarbeit“, schwärmt der Sirupchef. „Es kann sein, dass auch einmal ein Johannisbeerblättchen oder ein paar Kerne in die Presse geraten – genau dies macht den Unterschied.“ 
Tatsächlich riecht es in der Siruperie nicht nach zuckerwattiger Künstlichkeit, sondern nach einer Mischung aus schwerer, reifer Obsternte, erdigem, herben Wald und frischer Zitrone. Für die Herstellung der Qualitätssirupe  – von Alpenkräuter über Bergamotte bis zu Elfen- und Trollsirup, Granatapfel, Waldmeister oder Zwetschge – greift der Sirupier am liebsten auf Früchte und Kräuter aus der Region zurück, die er selber durch die Saftpresse treibt bzw. zu einem aromatischen Aufguss verarbeitet. Ist dies nicht möglich, kauft er naturbelassene Konzentrate ein von Herstellern, mit denen er seit Jahren eng zusammenarbeitet. Die Qualitätsansprüche und die Hingabe an sein Produkt werden von den Kunden geschätzt: So ist die Geschichte des Sirupiers de Berne auch eine Geschichte des Erfolges, die sich längst über die Hauptstadt hinaus bis in die Romandie, das Tessin und den süddeutschen Raum fortgeschrieben hat. Die Kunden lieben seinen Sirup – und der Sirupier seine Kunden. Oder in den Worten von Vater Wirth: “Wer Sirup trinkt und nicht nur Cola, der spinnt nicht, den kann man so lah.”


Le Sirupier de Berne, Waffenweg 9,  3014 Bern
www.sirupier.ch

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