Achterbahn im Magen

Wie übergebe ich mich ohne zu kotzen

Endlich! Die Schausteller bauen ihre gigantischen Adrenalin-Katapulte auf und schüren die Vorfreude auf das sich alljährlich wiederholende Chilbirlebnis. Als richtiger Genuss- und Erlebnis-Junky sehne ich mich nach diesem vielfältigen Unterhaltungsprogramm.

Doch bevor ich jeweils die erste Bahn erreiche, bringen die Düfte und Gerüche der einzelnen Food-Stände mein ungesättigtes Appetitzentrum in Wallungen. So kann es sein, dass ich nach einem frischen knusprigen Chnoblibrot mir eine mit Schokoladen überzogenen Banane gönne, bevor ich im vorbeigehen ein delikates Raclette verdrücke und zwischendurch eine lauwarme gebrannte Mandel aus dem Säckchen nasche.

Mit diesem Vorbereitungszeremoniell erreiche ich dann die erste Chilbibahn. Auf dem Riesenrad verschaffe ich mir einen ersten Überblick zur idealen Beschleunigungsroute. Danach aber gleich in den Alpen-Express, welcher sich nicht nur um die eigene, sondern um sämtliche Axen der physikalischen Schwerkraft bewegt.

Meine Verdauungssäfte bekommen bereits die ersten ernsthaften Schwierigkeiten, ihre Aufgabe geordnet und treffsicher zu meistern. Nach zwei Bier schwimmt dieses mulmige Gefühl im Magen langsam wieder an den Rand in Richtung Normalzustand. Zeit also, die Break-Dance-Bahn und danach den Power-Tower zu besteigen. Während diesem Auf- und ab beginnt sich dann das Chnoblibrot gegen die Schwerkraft aufzulehnen und das Raclette streitet sich mit der Schokobanane über die Beanspruchung der (noch) vorhandenen Magensäfte.

Nun stellt sich also plötzlich die Frage, welcher Zeitpunkt besser geeignet ist, sich schlagartig von dieser Übelkeit zu befreien. Bei der Fahrt nach oben bekommen alle Deine Sitznachbarn mit, was Du in den letzten Stunde zu Dir genommen hast. Beim ungebremsten Fall nach unten fällt das weniger auf. Wenn der Zerstäubungseffekt auf Grund der Windverhältnisse jedoch zu schwach ist, kann das Folgen haben, welche ich hier aus Pietätsgründen nicht näher beschreiben möchte.

Mein Tipp: Essen sie als aller erstes beim Eintreffen auf dem Chilbiplatz eine grosse Tüte Magenbrot. Werfen sie diese nach dem Verzehr nicht einfach weg sonder falten sie so geschickt, dass Sie im Ernstfall rasch gezückt und zweckentfremdet einsatzbereit ist.

Simon Anderhub der Mann, der das Lachen erfunden hat. Sein Geist sprudelt verspielt im Champagner-Glas, unterhaltsam und inspirierend. Und wie das Glas, das zuviel war am Abend, fördert er mit seinem scharfsinnigen Humor so manche Geheimzutat aus unseren Lebenseintöpfen zu Tage.

Simon Anderhub, September 2011

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