Der Picknick-Muffel

Ich weiss nicht warum, aber aus heiterem Himmel kam Silvia auf die schreckliche Idee, zusammen mit mir ein sonntägliches Picknick veranstalten zu wollen. Alle meine männlichen Argumente halfen nicht, ihr diese kuriose Idee auszureden. Es blieb mir nur, inständig auf Regen zu hoffen. Die Art der Nahrungsvorbereitung, der Transport samt dem Verzehr ist einfach unsinnig, wenn man bedenkt, welch tolle Restaurants mit herrlichen Gartenterrassen und bequemen Sitzgelegenheiten im Angebot sind. Aber nein, eine Decke wird mühsam aus der hintersten Ecke des Kellers hervorgegraben, unzählige verschliessbare Tupperware-Behälter werden mit frischen Lebensmitteln aus dem Kühlschrank gefüllt und mein Albtraum, das Picknick-Set von Tante Sofie mit eingebautem Plastik-Geschirr samt Besteck, soll zum Einsatz kommen. Immerhin konnte ich mich dahingehend durchsetzen, dass wir wenigstens zwei Kristallgläser für den Rotwein mitnehmen, so dass ich meinen Amarone von Masi wenigstens nicht aus dem bunten Zwergbecher trinken musste. Ich hoffte immer noch auf Regen. Nach einer kurzen Fahrt über Land begann die endlose Suche nach einem lauschigen Plätzchen in einer Waldlichtung, wo sich eine saftig grüne Wiese als Essunterlage anbieten sollte. Meine letzte Hoffnung, diesem schrecklichen Vorhaben doch noch entgehen zu können, verflog im lauen Lüftchen. Es waren nur ein paar wenige Schäfchenwolken am Himmel zu entdecken. Die Unterlage war schnell ausgebreitet und wurde mit allen mitgebrachten Plastikgefässen gedeckt. Mit dabei die bunten Tellerchen, die auf der Decke irgendwie die Waagrechte zu halten suchten, damit der gerne auslaufende Saft der Tomaten nicht für Flecken sorgen sollte. Und so sassen wir beide unter freiem Himmel und versuchten in dieser unbequemsten aller Positionen unser Picknick zu geniessen.

Die ersten Ameisen begannen den Schinken zu erobern, ein kleiner Schwarm Bienen vergnügte sich beim Früchteteller und die ersten Mücken fanden meine Blutgruppe dermassen unwiderstehlich, dass sie gleich alle Freunde zum Mitstechen einluden.

Nach wildem Gefuchtel und Geklatsche in einer voraussichtlich kurzen Pause dieser insektischen Angriffswelle griff ich zur Flasche Rotwein in der Tasche und hoffte, mich mit Alkohol etwas trösten zu können.

„Gibst Du mir bitte den Korkenzieher?“, bat ich Silvia, die sich gerade von oben bis unten mit Antibrumm eingesprayt hatte. „Den hast Du doch wohl eingepackt?!“.

Nein, hatte sie nicht und dann..., dann begann es zu regnen.

Simon Anderhub der Mann, der das Lachen erfunden hat. Sein Geist sprudelt verspielt im Champagner-Glas, unterhaltsam und inspirierend. Und wie das Glas, das zuviel war am Abend, fördert er mit seinem scharfsinnigen Humor so manche Geheimzutat aus unseren Lebenseintöpfen zu Tage.

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