Mann und Frau in der Küche

 

Das emotionale Minenfeld

In meinem Bekanntenkreis ist es mittlerweile so, dass unglaublich viele Männer mit Liebe und Inbrunst kochen, derweil sich ihre Frauen in das alltägliche Lebensmittelmanagement zurückgezogen haben.

Es ist nicht so, dass die Männer die  Frauen mutwillig aus ihrem jahrtausendalten Reich am Herd vertrieben hätten; vielmehr haben die Frauen sich selbst unter Beachtung geschickter Manöverführung und mittels Komplimenten an ihren Partner, ganz langsam von der alltäglichen Essenszubereitung zurückgezogen.

Am Grill war die Rollenverteilung schon seit jeher klar. Obwohl wir wissen,  dass Frauen ebenfalls ausgezeichnet  grillieren können, hat das weibliche Geschlecht die  Fleischzubereitungsdomäne auf Grund des Jagdtriebes des Mannes schon immer gerne dem männlichen Part überlassen. Denn so half er wenigstens gelegentlich mit, sich bei der Essenszubereitung aktiv einzubringen.

Und dann kam die Wende! Wenn wir Männer plötzlich Komplimente hören: „Wau, wie Du die Spiegeleier perfekt zubereitest!“ oder „Hey, keiner macht so gute Spaghetti Bolognese wie Du“, dann weiss „Mann“, dass sich das Netz langsam zusammenzuziehen beginnt.

Durch die positiv aufgeladene Suggestionsstrategie beginnt sich das  Selbstvertrauen der Männer in der Küche breitzumachen und sie fangen an, gerne und mit viel Liebe und Aufwand zu kochen. Sie werden derart mit Komplimenten überhäuft, dass sie nach dem Essen zu ihrem Schatz auch noch sagen: „Setz dich schon mal vor den Fernseher, ich mache nur noch rasch die Küche sauber!“

Das Ganze geht eine ganze Weile lang gut, bis sich ein gewisser Virus namens „A“ wie „Alltag“ einschleicht. Plötzlich beginnt dir die Frau beim Kochen in der Küche vermehrt Gesellschaft zu leisten. Das wäre eigentlich eine wunderschöne Sache, bis die Göttergattin  anfängt, dich zu korrigieren und dich mit wertvollen Tipps zu traktieren. „Nein, nimm doch besser dieses Messer!“ oder „...beim Anbraten solltest Du beachten, dass...“ „dieses Öl ist besser“ oder „ich mache das halt immer so und meine Mutter hat das auch immer schon so gemacht!“

Plötzlich stehen wir Männer am Herd der Verzweiflung und es gelingt uns nicht einmal mehr, die Fischstäbchen auf beiden Seiten goldbraun anzubraten, weil wir uns  ständig die Frage stellen, was wir jetzt wohl schon wieder falsch machen.
So wird die Liebe nicht durch den Magen geführt, sondern wird in einer Beziehungskrise zwischen Töpfen, Pfannen und Herdplatten aufgekocht. Und das alles in einer Umgebung, in der es von scharfen Messern und anderen gefährlichen Küchenmaschinen nur so wimmelt.

Mein Tipp: Legen sie zusammen klar fest, wer was und wann kocht und überlassen sie dann dem Partner die völlige Handlungsfreiheit. Sollten sie frisch verliebt sein, dann können Tipps und Kniffs absolut und ohne Lebensgefahr eingebracht werden. Bei Paaren, die bereits länger im gleichen Haushalt leben, ist jedoch Vorsicht geboten. Hierfür ein letzter Tipp: Für den Notfall  sollten sie die Nummer des Notarztes und/oder die eines guten Scheidungsanwaltes in ihr Rezeptbuch einkleben.

Simon Anderhub der Mann, der das Lachen erfunden hat. Sein Geist sprudelt verspielt im Champagner-Glas, unterhaltsam und inspirierend. Und wie das Glas, das zuviel war am Abend, fördert er mit seinem scharfsinnigen Humor so manche Geheimzutat aus unseren Lebenseintöpfen zu Tage.

Simon Anderhub, Dezember 2010

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