Frohe Aussichten: 2011 bleibt Sybille am Grill

Der Geist ist willig, das Fleisch parat und der Zeitpunkt gekommen. Grillweltmeister Hansruedi Wälchli rupft mit den Männern ein (Brat-) Hühnchen und schickt die Frauen an den Kugelgrill.

Feuer, Fleisch, Abenteuer – der Männerwelt fliesst bei diesem Dreigespann das Wasser im Mund zusammen und stolz wirft sich das stärkere Geschlecht in die Brust und die Kochschürze, um die Angetraute vor dem sicheren Hungertod zu bewahren. Diese freut sich zunächst über so viel heroische Selbstaufgabe ihres Liebsten, realisiert dann aber bald, dass im männlichen Grill-Action-Thriller für gefüllte Champignons, Jungblattsalat oder Wilderdbeerbowle keine Rolle vorgesehen ist. Das verkohlte Kotelett und die geplatzte Cervelat erträgt sie tapfer und perfektioniert zugleich ihr Multitasking: Harte Brocken kauend lobt sie das männliche Engagement, lässt schrumpelige Wursthaut unbemerkt verschwinden und arbeitet innerlich an einem Zehn-Punkte-Plan, um die «Operation Barbecue» mittelfristig zum Erfolg zu führen.

Hansruedi Wälchli, Barbecue-Weltmeister und ein Mann wie ein Kugelgrill, unterstützt unsere Mission. Doch zuerst rupft er mit den Männern ein Brathühnchen: «Männer sind oft zu plump. Frauen haben grössere Erfahrung in der Küche, sie kennen die Wichtigkeit von Marinaden, wissen um die Bedeutung der Fleischherkunft und analysieren Fehler, um den Prozess zu perfektionieren.» Dabei sei Grillieren «furzeinfach». «Man muss nur frech marinieren und die Kerntemperatur einhalten.» Letzteres geschieht am besten mit einem einfachen Kerntemperaturfühler.  Auch für das indirekte Grillieren mit geschlossenem Deckel, bei dem das Grillgut über einer neben der Glut angebrachte  Schale mit Flüssigkeit – Wasser, Bouillon, Orangenjus nach Gusto – gelegt wird, bricht der Profi eine Lanze: Nichts verbrennt, es werden keine krebserregenden Stoffe freigesetzt und es gibt keine Hektik, weil das Fleisch nicht gewendet werden muss. Ein Kugelgrill ermöglicht das perfekte Grillerlebnis, da sein Deckel den Garraum in einen veritablen Backofen verwandelt, in dem nahezu alles zubereitet werden kann. «Die Frauen müssen den Männern zeigen, wie es geht. Erst wenn die Männer sattelfest sind, dürfen sie sich wieder zurücklehnen und im Liegestuhl auf die fertigen Grillmeisterwerke warten.»

Das tönt nach Arbeit. Frei nach dem Motto «Der Geist ist willig und das Fleisch parat», pedale ich mit Sibylle und einem portablen Kugelgrill samt Wasserschale und Holzkohle in den nächsten Stadtpark.  Wälchlis Satz, «obwohl ich mehrfacher Weltmeister bin, grilliert meine Frau besser», klingt angenehm nach in unseren Ohren und im Handumdrehen ist der Grill bereit. Bald schon züngeln die ersten Flammen um die schwarze Kohle, während wir Tomaten  und Peperoni schnipseln und die Bruschette vorbereiten. Zusammen mit den marinierten Lachstranchen kommen die Brotscheiben auf den Grill, wir schliessen den Deckel und machen – ja was denn? Nichts! Kein Wenden, kein «In-die-Flammen-pusten», keine «Sorry-für-den-Gestank»-Entschuldigungsrunde im Park und keine verbrannten Finger.  «Abwarten und ein Glas Wein trinken», meint Sibylle und wirft sich eine Handvoll Wasabinüsse in den Rachen. Wir trinken und plaudern, beäugen Parkschönheiten und linsen immer wieder voller Stolz nach unserem Fisch. Dann geht’s ans Essen – und schon der erste Bissen versöhnt uns mit den Grill-Trauerspielen unserer Vergangenheit. Ein Feuerwerk des Geschmacks, reichhaltig und saftig, aromatisch und zart.

Wir könnten nun ein kleines BBQ-ABC für Männer verfassen. Doch ein Blick auf meine Freundin, die liebevoll den Kugelgrill tätschelt, zeigt klar: Dieses Jahr bleibt Sybille am Grill.

Weltmeisterinnenlachs
Lachstranchen marinieren in einer Mischung aus Olivenöl, getrocknetem Peperoncini, Sesam und rotem Pfeffer. Indirekt mit geschlossenem Deckel  grillieren, bis sich auf dem Fisch weissliche Eiweissblatern bilden.

Bruschetta
Zeitgleich mit dem Lachs können Bruschette zubereitet werden: Baguette tranchieren, mit Olivenöl beträufeln, mit Peperoni und Tomatenwürfeln bestreuen, würzen.

Meringuierte Babybananen
Bananen aufschneiden, Schnittflächen mit Rohrzucker bestreuen, etwas eindrücken und mit Orangelikör aromatisieren. Meringuemasse aus geschlagenem Eiweiss und Puderzucker auftragen. Bei geschlossenem Deckel 15 Minuten in den Grill, fertig.

Zora Schaad, März 2011

Piatti Website