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Süsses um ein Loch drapiert: Willisauer Ringli

«Nehmt das Willisauer Ringli zum Mass aller Urteile: hart am Beginn der Verhandlung, mild und gerecht beim Urteil.» Mit diesen Worten übergab Korporationspräsident Emil Peyer Mitte Januar 2012 symbolisch einen 1,5 Meter langen Schlüssel aus Willisauer Ringli-Teig an die Willisauer Bezirksgerichtspräsidentin Yvonne Zwyssig-Vüllers. Das Pathos passt zum Traditionsgebäck, das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Schloss Heidegg erfunden worden sein soll. 1850 luchste der Willisauer Bäcker Heinrich Mauer das Rezept der Cousine seiner Frau ab, die auf dem Schloss als Hausdame arbeitete. Maurer motzte  die Zusammensetzung des Teigs auf, formte ihn zum Ring und gab  ihm seinen berühmten Namen. Bald wurde das Ringli zum Erfolg und Martha – aus lauter Dankbarkeit? – zu Maurers zweiter Ehefrau.

1923 – Beck Maurer war schon lange tot – erwarb Moritz Amrein das Haus und kaufte den Nachkommen des Bäckers das Originalrezept für 2000 Franken ab. Michael Renggli, Urenkel von Moritz führt den Familienbetrieb Amrein heute mit seiner Frau Ursula in fünfter Generation. Auch wenn die Bäckerei in der Willisauer Altstadt modernisiert wurde – am harten Originalrezept der Ringli wird nicht gerüttelt. «An unseren Willisauer Ringli haben sich sicher schon Leute einen Zahn ausgebissen», sagt Michael Renggli. Der Ringli-Chef gibt darum gerne einige Tipps zum korrekten willisau’schen Ringliknacken weiter: Zuerst legt man ein Ringli in die flache Hand. Den anderen Arm beugt man, um allen, dies interessiert, seine Stärke zu demonstrieren. Danach schlägt man mit dem Ellbogen dieses Armes in die Mitte des Ringlis. Perfekt geknackt ist das Guetzli, wenn es in vier Teile zerbricht. Danach lässt man das Willisauer Ringli wie Schokolade im Mund zergehen, erkundet mit der Zunge den typischen Honig- und Zitronengeschmack und versucht, das Geheimrezept zu entschlüsseln. Klar ist einzig, dass Zucker, Wasser, Mehl, Zitronen- und Orangenschale in die Teigschüssel wandern, doch die Würzmischung, dieses gewisse Etwas, bleibt ein sicher vom Stadtarchiv Willisau gehütetes Geheimnis. Da können sich Hobbybäcker lange die Zähne dran ausbeissen!

Zora Schaad, April 2012

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